MedCanG-Radar: Aktuelles zur geplanten Gesetzesänderung

svenja von jiroo

Beitrag verfasst von Svenja

Svenja ist Spezialistin für Online-Marketing mit besonderem Fokus auf medizinisches Cannabis. Mit ihrer Expertise an der Schnittstelle zwischen Digitalstrategie und Gesundheitskommunikation sorgt sie dafür, dass PatientINNEN verlässliche Informationen und digitale Services rund um Cannabis auf Rezept finden.

Lesezeit: 5min

Der Medizinal-Cannabismarkt in Deutschland befindet sich im Wandel. Geplante Änderungen am MedCanG könnten unter anderem Verschreibungsregeln und den Versand von medizinischem Cannabis betreffen. In unserem Radar informieren wir Sie laufend über die wichtigsten Schritte, Beschlüsse und Termine – so behalten Sie stets den Überblick über alles, was Patientinnen und Patienten mit Cannabistherapie wissen müssen.

Wichtiger Hinweis für Sie: Es besteht aktuell kein Grund zur Sorge. Solange das Gesetz nicht final verabschiedet und im Bundesgesetzblatt verkündet wurde, bleibt der Zugang zu Ihrer Therapie unverändert. Wir beobachten die Entwicklung weiterhin engmaschig für Sie.

Wie geht es weiter? (Vorschau)

  • Frühjahr 2026: Es folgen die zweite und dritte Lesung im Bundestag. Hier fällt die finale Entscheidung über den endgültigen Gesetzestext. Wir erwarten, dass spätestens am 10. April  2026 die konkreten Termine für die nächste Beratungsrunde im Gesundheitsausschuss und im Plenum feststehen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
  • Voraussichtlich April/Mai 2026: Unserer Einschätzung nach frühestmöglicher Zeitpunkt für ein Inkrafttreten der neuen Regelungen.

 

10. März 2026: Mögliche Wende beim Versandverbot – SPD lenkt ein

Die SPD-Bundestagsfraktion spricht sich gegenüber der PZ gegen das geplante pauschale Versandhandelsverbot für Medizinalcannabis aus. Damit reagiert die Fraktion auf die massiven Bedenken hinsichtlich der Patientenversorgung. Lesen Sie den ganzen Artikel in der PZ.

Kern: Statt den Versandweg komplett abzuschaffen, fordert die SPD „Leitplanken statt Verbote“. Das bedeutet strengere Qualitätsvorgaben für die Telemedizin und den Versand, um Missbrauch zu verhindern, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.
Ergebnis: Voraussichtlich wird der Gesetzentwurf damit im Gesundheitsausschuss grundlegend überarbeitet. Das pauschale Verbot ist aller Wahrscheinlichkeit nach vom Tisch; man konzentriert sich nun auf die Regulierung der Online-Plattformen.
Ihre Situation: Für Sie sind das erst einmal gute Vorzeichen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sie Ihre Medikamente auch weiterhin online per Versandapotheke beziehen können.

23. Februar 2026 – Offizielle Übergabe der Patienten-Petition durch Henning Todt

Ein wichtiger Tag für alle Patientinnen und Patienten: Am 23. Februar 2026  wurde die Petition gegen die Verschärfungen des MedCanG offiziell durch Henning Todt an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages übergeben und anschließend beraten. Die Vertreter der Patienten-Petition haben im Bundestag deutlich gemacht, dass die geplanten Einschränkungen am MedCanG lebensfern sind.

Kernforderung: Die geplante Novellierung des MedCanG soll gestoppt werden, insbesondere

      • Verbot der Telemedizin/Online-Erstverordnung soll nicht kommen,

      • Verbot des Versandhandels mit Medizinalcannabis (insbesondere Blüten) soll gestrichen werden.

Der Kern: Über 58.000 Unterstützer wurden durch die Petenten vertreten. Die Abgeordneten debattierten kontrovers über das geplante Versandverbot und die Präsenzpflicht beim Arzt. Die Hauptforderung ist ein Stopp der  geplanten Novellierung des MedCanG, insbesondere

      • Verbot der Telemedizin/Online-Erstverordnung soll nicht kommen,

      • Verbot des Versandhandels mit Medizinalcannabis (insbesondere Blüten) soll gestrichen werden.

Das Ergebnis: Die Sitzung hat gezeigt, dass die Argumente der Patientenschaft (Versorgungssicherheit, Mobilität, Diskriminierungsverbot) im Parlament angekommen sind. Selbst innerhalb der Regierungskoalition bröckelt die Zustimmung zum pauschalen Versandhandelsverbot. Einigkeit besteht bei den Beteiligten darüber, Missbrauch zu unterbinden.

Ihre Situation: Vorerst ändert sich nichts. Die starke Resonanz im Ausschuss erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass der Gesetzentwurf im März noch einmal entschärft wird.

Nächste Schritte:

    • Der Ausschuss fasst auf Basis der Anhörung eine Beschlussempfehlung, die dann dem Bundestag zugeleitet wird; parallel laufen die weiteren Beratungen zum MedCanG im regulären Gesetzgebungsverfahren.

19. Januar 2026: Juristische Kritik an der "Lex Telemedizin"

Nach der Experten-Anhörung im Bundestag mehren sich die rechtlichen Bedenken an den geplanten Neuregelungen. Fachjuristen bewerten die Pläne kritisch.

Fazit: Experten und Expertinnen bemängeln, dass die geplanten Einschränkungen (insbesondere das Versandverbot) weniger dem Patientenschutz dienen, sondern vielmehr ein gezielter Schlag gegen telemedizinische Anbieter seien – eine sogenannte „Lex Telemedizin“.

Die Kritikpunkte: Es wurde betont, dass ein pauschales Versandverbot für Cannabisblüten rechtlich schwer zu rechtfertigen sei, da andere Betäubungsmittel weiterhin versendet werden dürfen. Zudem wird kritisiert, dass die geplante Präsenzpflicht bei der Erstberatung moderne Behandlungsformen ohne sachlichen Grund ausbremse.

Was das für Sie bedeutet: Die starke juristische Kritik erhöht den Druck auf die Politik, den Entwurf noch einmal zu überarbeiten, um ihn rechtssicher zu machen. Es bleibt abzuwarten, ob das Bundesgesundheitsministerium hier nachbessert.

14.01.2026 – Öffentliche Anhörung im Gesundheitsausschuss

Experten und Expertinnen aus Medizin, Politik und Verbänden wurden zu einer öffentlichen Anhörung eingeladen. Es gab breite Diskussionen:

  • Einige Fachverbände begrüßten die Änderung grundsätzlich. Andere warnten, dass Teile überzogen seien und Patient:innen die Versorgung erschweren könnten.
  • Ein zentrales Thema war die Frage, wie die Versorgung ohne Telemedizin und Versand weiterhin gesichert werden kann.

Fazit: Die Meinungen sind geteilt. Während einige Ärztevertreter strengere Regeln befürworten, warnen Patientenverbände eindringlich davor, dass ein Versandverbot die Versorgung – insbesondere in ländlichen Regionen – gefährden würde.

Ihre Perspektive: Es wird derzeit über mögliche Kompromisse diskutiert, beispielsweise wie die Telemedizin (Videosprechstunde) rechtssicher erhalten bleiben kann.

18. Dezember 2025: Erste Lesung im Bundestag

Der Bundestag debattierte erstmals über den Entwurf zur MedCanG‑Änderung. Bedeutend ist, dass das Thema jetzt offiziell im parlamentarischen Prozess ist und zur weiteren Beratung an Ausschüsse überwiesen wurde — insbesondere an den Gesundheitsausschuss.

Fazit: Nach der Aussprache wurde das Gesetz zur weiteren Beratung in die Fachgremien (vorrangig den Gesundheitsausschuss) überwiesen. Damit hat die entscheidende Phase der parlamentarischen Prüfung begonnen.

5. Dezember 2025: Parlamentarischer Gesetzentwurf offiziell eingebracht

Im Bundestag wurde der Gesetzentwurf formell eingebracht, der ein Versandhandelsverbot sowie einen persönlichen Arzt‑Patienten‑Kontakt vor Verschreibung vorsieht. Hintergrund sind stark gestiegene Importe im Vergleich zu Verordnungen bei gesetzlicher Krankenversicherung. Der Gesetzentwurf wurde damit erstmals offiziell im Plenum des Bundestages debattiert.

Fazit: Nach der Aussprache wurde das Gesetz zur weiteren Beratung in die Fachgremien (vorrangig den Gesundheitsausschuss) überwiesen. Damit hat die entscheidende Phase der parlamentarischen Prüfung begonnen.

21. November 2025: Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat hat dem Gesetzesentwurf in Teilen zugestimmt: Es gibt Unterstützung für engere Regeln bei Verschreibungen, Preisen und Werbung. Gleichzeitig lehnte er strengere Strafen für Versandhandel ab. Außerdem soll klargestellt werden, dass ausländische Rezepte (EU/Schweiz) nicht anerkannt werden. Das Ergebnis: Die Länderkammer signalisierte grundsätzlich Zustimmung zu den Verschärfungen. Es wurden jedoch Forderungen nach noch strikteren Regelungen laut, etwa bei der Preisgestaltung und der Handhabung von Rezepten aus dem EU-Ausland.

05. November 2025: Über 58.000 Stimmen gegen die Einschränkungen

Eine große Petition gegen die geplanten Änderungen schließt mit über 58.000 Unterzeichner und Unterzeichnerinnen. Patienteninitiativen betonen, dass ein Verbot von Telemedizin und Versand ihre Versorgung erschweren würde. Dieses Quorum zwingt die Politik dazu, sich intensiv mit den Argumenten der Betroffenen auseinanderzusetzen.

08. Oktober 2025: Das Bundeskabinett beschließt den Entwurf

Die Bundesregierung hat einen Entwurf zur Änderung des Medizinal‑Cannabisgesetzes verabschiedet. Ziel ist es, den starken Anstieg von medizinischen Cannabis‑Importen und Online‑Verschreibungen einzudämmen. Künftig soll Cannabis nur noch verschrieben werden, wenn Patient:innen zuerst persönlich beim Arzt vorstellig werden. Auch der Versand über Post oder Paketdienste soll nicht mehr möglich sein. Das Gesetz geht jetzt an den Bundestag.

Die geplanten Kernpunkte:

  • Versandhandelsverbot: Cannabisblüten sollen nicht mehr per Paketdienst verschickt werden dürfen (nur noch per hauseigenem Botendienst der Apotheke vor Ort).

  • Präsenzpflicht: Für die Erstverordnung soll ein physischer Besuch in der Arztpraxis zwingend erforderlich werden.

  • Hintergrund: Die Regierung beabsichtigt damit, die Tätigkeit spezialisierter Online-Plattformen stärker zu regulieren.

Unser jiroo-Fazit

Es besteht aktuell kein Grund zur Sorge. Solange das Gesetz nicht final verabschiedet und im Bundesgesetzblatt verkündet wurde, bleibt der Zugang zu Ihrer Therapie unverändert. Wir beobachten die Entwicklung weiterhin engmaschig für Sie.

 

Quellen:

  1. Bundesgesundheitsministerium (BMG): „Kabinett beschließt Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes“, Pressemitteilung vom 08.10.2025.
    Online: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/medizinal-cannabisgesetz-kabinett-pm-08-10-25.html

  2. Die Bundesregierung: „Strengere Regeln für medizinisches Cannabis“.
    Online: https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/medizinal-cannabis-2387714

  3. Bundestag: „Novellierung des Medizinal-Cannabisgesetzes geplant“, Meldung zur ersten Lesung im Bundestag am 18.12.2025.
    Online: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw51-de-cannabis-1129260

  4. Bundesrat: Drucksache 555/25 – Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes (MedCanG).
    Online: https://dserver.bundestag.de/brd/2025/0555-25.pdf

  5. Bundesrat: Drucksache 555/1/25 – Empfehlungen der Ausschüsse zum Gesetzentwurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes.
    Online: https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2025/0501-0600/555-1-25.pdf

  6. Bundestag, Ausschuss für Gesundheit: Öffentliche Anhörung „Medizinal-Cannabis“, 14.01.2026.
    Online: https://www.bundestag.de/ausschuesse/gesundheit/anhoerungen/1134474-1134474

  7. MFA heute: „Gesetzesentwurf zur Änderung des MedCanG wird geprüft“, Bericht zur Anhörung im Gesundheitsausschuss vom 14.01.2026.
    Online: https://mfa-heute.de/2026/01/gesetzesentwurf-zur-aenderung-des-medcang-wird-geprueft/

  8. Gleiss Lutz: „Update Cannabislegalisierung: Bundesregierung will telemedizinische Verschreibung von Medizinalcannabis weitgehend zurückfahren“, Kommentar zum Gesetzentwurf.
    https://www.gleisslutz.com/de/know-how/update-cannabislegalisierung-bundesregierung-will-telemedizinische-verschreibung-von-medi…

  9. MedCanOneStop: „MedCanG-Änderung: Kabinett beschließt Versandverbot & Präsenzfokus“ (Blogbeitrag zum Kabinettsbeschluss vom 08.10.2025): https://medcanonestop.com/blog/news/medcang-aenderung-kabinett-2025-10-08/

  10. MedCanOneStop: „MedCanG: Gesundheitsausschuss-Anhörung 14.01.2026“ (Einordnung der Anhörung für Patient:innen).
    https://medcanonestop.com/blog/news/medcang-gesundheitsausschuss-anhoerung-14-januar-2026/

  11. Legal Tribune Online (LTO) (19.01.2026): „Viel Kritik an Plänen für Medizinal-Cannabis“. Analyse der Sachverständigen-Anhörung im Gesundheitsausschuss.

  12. Deutscher Bundestag (23.02.2026): Dokumentation der öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses zur Petition 171262.
  13. Ärzte Zeitung (23.02.2026): “Medizincannabis-Gesetz: Union und SPD liegen bei Verschärfungen über Kreuz”. Link zum Artikel
  14. Pharmazeutische Zeitung (10.03.2026): “SPD will nachsteuern statt Cannabisversand verbieten”